Regenbogensiedlung


 

 

 

Projektname 

Regenbogen-Siedlung am Kanal 

PLZ 

30629 

Stadt 

Hannover-Misburg 

Straße 

Ibykus Weg/Annette-Kolb-Str. 

Bundesland 

Niedersachsen 

Gebäudeart(en) 

3,5-stöckiges MFH 

Neubau, Sanierung 

Neubau 

Eigentumsform(en) 

Sozialwohnungen 

Lage (Projekt) 

Stadtrand 

Größe (WE) 

111, ca. 9000 m² Wohnfläche, GFZ 0,88

Fertigstellung 

1996 


Ökologie

 

Ab/Wasser 

Regenwasserversickerung 

Abfall 

 

Energie 

Blockheizkraftwerk für Strom und Warmwasser, Niedrigenergiehausstandard, Lüftungssystem 

Baubiologie 

Baustoffwahl nach ökologischen und baubiologischen Gesichtspunkten (Holzfenster, Linoleumfußböden, mineralische Dämmung) 

Verkehr 

 

Außenanlage 

extensiv begrüntes Dach, Mietergärten 

Klima 

 

Öko-Technik 

 


Ökonomie 


Kosten:
900 €/qm


Soziokulturelles


Laubengangerschließung, nutzungsneutrale Raumgrößen, flexible Raumaufteilungen durch versetzbare Wände

Ansprechpartner

Bauträger: Gundlach, Philipp Holzmann AG

 

Architekt: Planungsbüro Schmitz Aachen 

Quellen 

Peter Hansen: Integratives Planen und Bauen, BbauBlatt 1/97, 30-33 

Anmerkungen 

Grundrissflexibilisierung für das Existenz-Optimum 

Stand 

11/2006 Holger Wolpensinger Bonn  
     
Als Generalplaner wurde ein deutscher Architekt mit umfassenden Erfahrungen bei der Kosteneinsparung und bei der Bau-Ökologie herangezogen. Arbeitsgrundlage ist ein "lAOH-Vertrag". In Umkehrung der Gebührenordnung HOAI bekommt der Architekt dabei mehr Geld, wenn er billiger baut. Zum Honorar kommt eine Zulage hinzu, die, da das Kostensparen schrittweise schwieriger wird, progressiv gestaffelt ist: Für die ersten eingesparten 50 Euro (je qm Wohnfläche) wird ein Viertel, für die zweiten 50 Euro Kostenersparnis ein Drittel und für die dritten 50 Euro sogar 50% der eingesparten Summe als Prämie zusätzlich gezahlt. Hierdurch konnten (bezogen auf die hohe Qualität der Gebäude und auf die Verhältnisse in einem Ballungsraum) eindrucksvoll niedrige Baukosten in Höhe von 900 Euro/qm (reine Brutto-Baukosten) bzw. von 1.400 Euro/qm (Gesamtkosten) erreicht werden. Dies ermöglichte Mietsenkungen und Reduzierungen des Landesdarlehens im Volumen.

Der Entwurf des Generalplaners war die Basis für eine europaweite "konstruktionsoffene" Ausschreibung, die verschiedene Bausysteme der Anbieter zuließ. Freigestellt war den Anbietern z.B. die Wahl des Tragsystems, das Material (z.B. Mauerwerk, Beton, Stahl oder Holz - realisiert wurde schließlich ein Betonbau), die Bauweise (z.B. konventionell. Fertigteilkonstruktion, Tunnelschalung oder Raumzellen) und die konstruktive Detailausbildung. Dieses Ausschreibungsverfahren kommt der Forderung der Bauindustrie nach größeren Ausgestaltungsspielräumen gegenüber den Planern entgegen. Die Anbieter konnten damit sicherer und wohl auch niedriger kalkulieren. Obwohl in der Planung schon alle wichtigen Kostensparmöglichkeiten ausgeschöpft waren, gelang es dem beauftragten Generalunternehmer, noch weitere 30 Einsparvorschläge einzubringen.

Die Baukörper der Regenbogensiedlung sind straßenbegleitend entwickelt und trennen so die grüne Spiel- und Ruhezone im Innenbereich von der Aktivzone der Straße. Mittelpunkt der Anlage ist ein großes Gemeinschaftshaus von ca. 90 qm Fläche. Der Bebauungsplan ermöglichte die Anlage aller Pkw-Einstellplätze im Außenbereich (ohne Überdachung). Damit ist ein autofreier Innenhof entstanden, wo Kinderspiel ohne Verkehrsbeeinträchtigung möglich ist. In einer solchen ökologisch fortschrittlichen Planung haben Autos einen geringen Stellenwert; heute sind dagegen oft Tiefgaragenplätze teurer als Kinderzimmer.

Trotz bzw. wegen der erzielten Kostensenkung wurden in der Regenbogen-Siedlung in besonderem Maße ökologische Maßnahmen möglich. Die Häuser haben ein Grün- bzw. Grasdach. Im Süden und Westen sind die Fensterflächen großzügig, nach Norden bescheiden ausgelegt. Durch das nach Süden ansteigende Pultdach öffnet sich die gesamte Wohnanlage zur Sonne. Insgesamt wurde mit einem Jahresheizwärmebedarf von weniger als 50 kWh/qm und Jahr der Niedrigenergiestandard erreicht. Es wurde kellerlos gebaut. Abstellräume innerhalb der Wohnung sind billiger. Unter dem Haus gibt es nur einen 1 qm großen Schacht, in dem alle Leitungen laufen. Diese Abmessung erlaubt es, Reparatur- oder Wartungsarbeiten im Schacht auszuführen. Ein feuchtigkeitsgesteuertes Lüftungssystem mindert in den Wohnungen die Wärmeverluste durch unkontrolliertes Lüften. Holzfenster, Linoleumfußböden und lösemittelfreie Anstriche sind Beispiele für die Auswahl der Baustoffe nach ökologischen und baubiologischen Gesichtspunkten. Wie beim Europahaus wurde ein Blockheizkraftwerk mit vier Automotoren installiert. Die Wohnanlage verfügt ferner über eine Regenwasserversickerung, über Mietergärten und über großzügige Grünflächen.

(Quelle: www.fes.de/fulltext/fo-wirtschaft/00374006.htm#E10E16 Zugriff am 9.11.2006)