Definitionen und Begrifflichkeiten im ökologischen Wohnungsbau und Siedlungsbau
Siedlung,
jede menschliche Niederlassung [Brockhaus 1999].
Abhängig von der Betrachtungs- bzw. Maßstabsebene, wird unter Siedlung unterschiedliches verstanden:
A) In Architektur und Stadtplanung ist die Siedlung eine "Wohnbebauung", die meist eine gestalterische Einheit bildet. Außer den Behausungen umfasst die Siedlung auch die Grundstücke, Verkehrs- und evtl. öffentliche Flächen wie z.B. Plätze und Grünanlagen. Eine Siedlung besteht mindestens aus 5 Wohneinheiten und je nach Größe aus mindestens 3 Gebäuden.B) In Raum- und Regionalplanung, sowie der Geografie wird Siedlung umfassender Verstanden: sie beinhaltet die Behausungen, die Versorgungs- und Transportinfrastrukturen, sowie das dazugehörige land- und forstwirtschaftlich genutzte Umland, also das komplette menschliche Habitat.
In interdisziplinären Arbeitszusammenhängen kann die unscharfe Begrifflichkeit zu Missverständnissen kommen.
Der Brockhaus (1999) unterscheidet Siedlungen zudem (für ökologische Siedlungen i.d.R. nicht relevant) nach der Benutzungsdauer (Dauersiedlungen, temporäre S., saisonale S. wie z.B. Almsiedlung, Wochenendsiedlung, Nomadenlager und ephemere S., u.a. Siedlungen der Wildbeuter und Jägervölker. Formen der ländlichen Siedlung sind u.a. Einzelhof, Weiler, Dorf, Kibbuz, Agrostadt. Aufgegebene Siedlungen bezeichnet man als Wüstung.
Nach [Windler und Winkler 1950] werden Siedlungen definiert als "Einzelwohnstätten oder Gruppen von Wohnstätten mit einer gewissen räumlichen Geschlossenheit, einem räumlichen Zusammenhang, aber auch mit einer deutlichen Abgrenzung gegenüber anderen Siedlungen". Die Grösse der Siedlung ist für ihre Abgrenzung ohne Bedeutung. Eine Stadt, ein Dorf, ein Weiler oder auch ein bewohnter Einzelhof stellen demnach Siedlungen dar. Bei der praktischen Eingrenzung von Siedlungen werden in der Regel Wohngebäude zu einer Siedlung zusammengefasst, wenn sie weniger als 100 Meter von einander entfernt liegen. Siedlungen sind damit im Allgemeinen durch mindestens 100 Meter nicht überbautes Land voneinander getrennt. Daneben müssen aber auch Höhenunterschiede, Hindernisse (Täler, Tobel, Gewässer, Bahngeleise, Strassen, Autobahnen usw.) und Verkehrsmöglichkeiten (Brücken, Unterführungen, Bahnübergänge) als trennende oder verbindende Elemente bei der Siedlungseingrenzung berücksichtigt werden.H. Windler, E. Winkler (1950): Zur quantitativen Bestimmung von Siedlungseinheiten. In: Plan und Ortsplanung, Heft 6, S. 180 ff.
Stadt
ist eine Siedlung mit meist nichtlandwirtschaftlichen Funktionen (Ausnahme Ackerbürgerstadt), gekennzeichnet u.a. durch eine gewisse Größe, Geschlossenheit der Ortsform, hohe Bebauungsdichte, zentrale Funktionen in Handel, Kultur und Verwaltung; in größeren Städten führt die Differenzierung des Ortsbildes zur Bildung von Stadtvierteln (z.B. City, Wohnviertel, Industriegebiete). Die statistische Definition der Stadt geht nur von einer bestimmten Einwohnerzahl aus, unabhängig vom Stadtrecht; für internationale Vergleiche scheint eine Mindesteinwohnerzahl von 20.000 sinnvoll zu sein. In Deutschland unterscheidet man Klein- (5.000-20.000 Einwohner), Mittel- (20.000-100.000 Einwohner) und Großstadt (über 100.000 Einwohner) [Brockhaus 1999]. Eine zunehmende Urbanisierung der Welt drückt sich dadurch aus, das mittlerweile mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in städtischen Siedlungen lebt.
Ökologie
Öko... (oeco Oeco [zu griechisch oikos "Haus"], Bestimmungswort von Zusammensetzungen mit der Bedeutung "Lebensraum, Haus, Wirtschaft
oikos logos (logika): die Lehre der Beziehungen der Lebewesen
Aus der Biologie hervorgegangene Wissenschaft, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen den Organismen und der unbelebten (abiotischen Faktoren wie Klima, Boden) und der belebten Umwelt (biotischen Faktoren) befasst. Sie untersucht ihre zeitliche Entfaltung, Krisen in ihrer Entwicklung und Mechanismen der Wiederherstellung von Gleichgewichten.
Die Ökologie bedarf, wenn sie sich den komplexen Wechselbeziehungen zwischen den Menschen, seiner technischen Welt und dem sie tragenden Ökosystem zuwendet, der Unterstützung zahlreicher anderer Wissenschaften; hier wird die Ebene der einzelnen Fachdisziplinen verlassen. Die so erweiterte Ökologie ist die Humanökologie (sie untersucht die Beziehungen Mensch-Umwelt), die nicht als neue Fachdisziplin, sondern als das Gegenteil jeder Spezialisierung verstanden werden muss, als der Versuch, die Umweltprobleme unter Einbeziehung aller möglichen Aspekte zu lösen [MEYERS Taschenlexikon 1990].
Ökologische Siedlung, nachhaltige Siedlungen
Richtung der zeitgenössischen Architektur und Stadt-/Raumplanung. Ziel ist die Errichtung umweltfreundlicher, Energie und Fläche sparender Siedlungen durch sparsamen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Umfangreiche Kriterien und Maßnahmen zeichnen ökologische bzw. nachhaltige Siedlungen aus.
Siedlungsökologie, Stadtökologie
Die Siedlungsökologie ist eine relativ junge Disziplin der Biologie und untersucht insbesondere die Flora und Fauna in menschlichen Siedlungsräumen. Sie begründet sich auf der Tatsache, dass aufgrund des hohen Siedlungsdrucks bzw. der zunehmenden Verdrängung ursprünglicher Tier- und Pflanzenlebensräume durch Sekundärstandorte immer mehr Tier- und Pflanzenarten gezwungen sind, ihre Lebensräume in die menschlichen Siedlungsräume zu verlagern. So findet man beispielsweise in Zürich bereits eine fast doppelt so hohe Artenvielfalt als auf landwirtschaftlich genutzten Flächen im Umland der Stadt. Ein Teilgebiet der Siedlungsökologie ist die Stadtökologie.
Literatur:
Fachverband Schweizer Raumplanerinnen und Raumplaner (2003): Handbuch Siedlungsökologie: Praxisorientierter Beitrag zur ökologischen Aufwertung des Siedlungsraumes. St. Gallen
Sukopp, Herbert und Wittig, Rüdiger (1998): Stadtökologie. Spektrum Akademischer Verlag, Stuttgart
Solarsiedlung, Plusenergiesiedlung, Passivhaus- oder Energiesparsiedlungen
Siedlungen, die insbesondere mit dem Hauptaugenmerk der Solarenergienutzung realisiert oder vermarktet werden. Komplexe ökologische Anforderungskataloge lassen sich nur mit großem Aufwand kommunizieren, weshalb teilweise nur Leitthemen oder Teilaspekte dargestellt werden. In einigen Projekten wird jedoch tatsächlich nur der Energieaspekt als ökologische Komponente umgesetzt, was die Gesamtökobilanz deutlich verschlechtern kann. In einigen Passivhaussiedlungen ist dies beispielweise beim massiven nicht unbedenklichen Einsatz von Wärmedämmverbundsystemen der Fall. Derzeit ist nicht bekannt, wie Verbundmaterialien entsorgt werden können.
Ökodorf
will möglichst alle menschlichen Bedürfnisse oder Aspekte menschlichen Lebens auf ökologische, nachhaltige Weise weitgehend vor Ort und in kleinen, überschaubaren Zusammenhängen und Lebenswelten (mit rund 300 Personen) erfüllen. In ökologischen Siedlungen ist im Vergleich zu z.B. ökologischen und vor allem spirituellen Gemeinschaftsprojekten der Verbindlichkeitsgrad der Bewohner untereinander wesentlich geringer. Es handelt sich um eine bewusste und freie Entscheidung für ein gemeinschaftlicheres Zusammen(wohnen) oder -leben. Sie werden auch als intentionale oder Wahl-Gemeinschaften bezeichnet [EUROPTOPIA 2004].
Wohnprojekt
Anknüpfend an die Selbsthilfebewegungen seit den 70er Jahren wollen Wohnprojekte der herkömmlichen Wohnungspolitik Alternativen gegenüberstellen, die "bunt, quer und anders" sind. Ziele sind:
Ökologisches Bauen und Stadtentwicklung
Dipl.-Biol. Bettina Kapahnke-Knittel, Mannheim. In: Brockhaus 2002Ökologisch orientiertes Bauen strebt in allen Phasen des Lebenszyklus von Gebäuden von der Planung, der Erstellung über die Nutzung und Erneuerung bis zu ihrer Beseitigung eine Minimierung des Verbrauchs von Energie und Rohstoffen sowie eine möglichst geringe Belastung des Naturhaushalts an. Im Einzelnen lässt sich ökologisch orientiertes Bauen durch einige wichtige Handlungsgrundsätze charakterisieren.
Ökologisches Bauen heißt gesundheits- und umweltverträgliches Bauen. Ein ökologisches Haus ist möglichst vollständig in die natürlichen Kreisläufe eingebunden und nutzt diese, ohne in sie schädigend einzugreifen. Ökologisches Bauen entsteht aus einer ganzheitlichen Betrachtungsweise, einer Integration vieler Teilaspekte in einen planerischen Optimierungsprozess. Das ökologische Haus im engen Sinn gibt es allerdings nicht.
Das einzelne Vorhaben erfordert jeweils ein spezifisches Konzept oder Teilkonzept, das heißt einzelne Ökobausteine mit unterschiedlichen Lösungsansätzen, Alternativen und Maßnahmen. Während bei einzelnen und kleineren Wohnungsbauvorhaben meist projektbezogene Konzepte angewendet werden, benötigt die Planung größerer Siedlungen oder die Umgestaltung von ganzen Stadtteilen eine wesentlich weiter reichende Herangehensweise. In diesen Fällen sind umfassende Konzepte erforderlich, die in der Regel mit längerfristigen Planungsprozessen verbunden sind.
Die Städte greifen tief in ökologische Kreisläufe ein, indem große Mengen an Energie und Rohstoffen, Wasser und Boden verbraucht und große Mengen Abfall, Abwasser und Abgase produziert werden. Eine Folge der immer mehr sinkenden Lebensqualität in der Stadt ist zumindest in den hoch entwickelten Ländern die Flucht ins Grüne und das Umland. Aus historisch klar begrenzten Städten sind Ballungsräume mit unbestimmten Grenzen geworden, die sich zunehmend in die Landschaft ausbreiten. Die ökologische Stadtentwicklung versucht, durch Verbesserung der Lebensbedingungen neue Qualitäten zu schaffen. Der strategische Ansatz geht über das Planen und Bauen von Ökohäusern auf der grünen Wiese weit hinaus. Die Umweltbelange müssen sehr früh im Planungsprozess berücksichtigt werden. Sie beginnen schon bei der planerischen Ausweisung und Erschließung von Baugebieten. Das gültige Planungsrecht sinnvoll zu nutzen, bildet einen ersten Schritt zu diesem Ziel.
Die politisch gewollte Zukunftsperspektive in Deutschland ist derzeit, Neubaumaßnahmen mehr in den noch geeigneten Stadt- und Gemeindeflächen zu konzentrieren, um die ökologischen Ausgleichsräume auf dem Land zu erhalten. Diese Innenentwicklung versteht sich als die logische Folgerung, aus den Fehlentwicklungen der Vergangenheit zu lernen, die zu einer starken Zersiedelung der Landschaft geführt haben. Innenentwicklung soll aber nicht bedeuten, dass in den bebauten Gebieten die vorhandenen Freiflächen restlos zugebaut werden. Das große Potenzial nicht optimal genutzter Freiflächen innerhalb der Bebauung muss aufgrund einer ökologischen Gesamtbetrachtung besser genutzt werden, sei es zum Wohnen, Arbeiten oder Erholen.
Die Grundsätze einer ökologischen Stadtplanung sind die Funktionsmischung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit; nach Möglichkeit Vermeidung reiner Wohn- oder Gewerbegebiete, darüber hinaus wohnungsnahe Arbeitsplätze und Verringerung der Verkehrswege. Weitere Prinzipien sind die Verminderung des Flächenkonsums durch Flächen sparende Bauweisen und geringeren Flächenverbrauch pro Kopf, die neue Nutzung innerstädtischer Flächen und Schutz der Außenbereiche vor weiterer Bebauung und Bodenversiegelung und die ganzheitliche Konzeption für die städtischen Freiräume und ein umfassendes Freiraumkonzept für das Stadtumland. Schließlich sind noch die Energieeinsparung im Rahmen örtlicher und regionaler Energiekonzepte und ökologisches Planen und Bauen bei den einzelnen Bauten aufzuführen.
Vor allem die Flächenausweitung der Bebauung sollte eingeschränkt werden, denn der Boden ist keine beliebig vermehrbare Ware. Dies lässt sich durch Flächen sparende Bauweise und Erschließungsmaßnahmen verwirklichen. Ressourcen schonendes Bauen berücksichtigt bereits in der Planungsphase einen möglichst geringen Bodenverbrauch und muss mit anderen wesentlichen Zielen der Regional- und Bauleitplanung in Einklang gebracht werden. Flächen, die mit Altlasten verseucht sind, müssen saniert werden. Betriebsverlagerungen aus der Stadt hinaus zur Lösung von Gemengelageproblemen sollten die Ausnahme bleiben.
Die Umgestaltung eines bereits bestehenden Gebäudes ist einem Neubau vorzuziehen. Im Rahmen einer umweltgerechten Stadtentwicklung sollte der Baumaßnahme im Bestand (Nachverdichtung) und Stadterneuerungsmaßnahmen der Vorrang vor der Ausweisung neuer Baugebiete gegeben werden. Ökologisch sinnvoll ist die Wiedernutzung städtebaulicher Brachflächen einschließlich der Umnutzung ehemals militärisch genutzter Flächen, denn die fortschreitende Zunahme von Siedlungsflächen nimmt immer mehr Landschaft und Freiräume in Anspruch.Bei Neubauten ist eine verdichtete Bauweise (Reihenhäuser, Geschosswohnungsbau) dem traditionellen Einfamilienhaus vorzuziehen. Die Grundrisse sollten so flexibel gestaltet werden, dass ein Haus den jeweiligen individuellen Wohnbedürfnissen der Nutzer angepasst werden kann. Wohngebäude für Familien sollten sich den Veränderungen der Bedürfnisse im Lebenszyklus anpassen können. Zum Beispiel können Reihenhäuser so gestaltet werden, dass das Haus nach Auszug der Kinder in zwei separate Wohneinheiten unterteilbar ist.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ökologischen Bauens ist die Minimierung von Entfernungen: Was nützt der Bau eines ökologischen Einfamilienhauses auf einem billigen ländlichen Grundstück, wenn dafür viele Kilometer zur Arbeit zu pendeln sind und für Einkaufen und Kinderbeförderung ein Zweitwagen gebraucht wird? Ökologisches Bauen findet seinen Ausdruck auch in der Verknüpfung von Wohnen und Arbeiten in städtischen Mischgebieten.
Der folgende Text ist entnommen aus der Dissertation von Doris Haas-Arndt, Lehrstuhl Technischer Ausbau und Ressourcensparendes Bauen, Universität Hannover mit dem Titel "Ästhetische Qualitäten des ökologischen Bauens", 1999. Die Dissertation bezieht sich vorwiegend auf die Ästhetik-Diskussionen rund um den ökologischen Siedlungsbau und spiegeln in kurzer Form zusammengfasst wieder, was in Fachkreisen unter ökologischem und nachhaltigem Bauen verstanden wird. Wer den Text lieber auf Papier lesen möchte kann sich die pdf- Datei downloaden
(50 kB) und ausdrucken (8 DinA4- Seiten).
Weiterhin sei auf den "Weltbericht für die Zukunft der Städte - urban 21" hingewiesen, worin Leitbilder für die künftige Entwicklung der Städte von führenden Politikern, Architekten und Stadtplanern formuliert wurden (u.a. Prof. Klaus Töpfer/ UNEP; Prof. Thomas Herzog, ...). Die deutsche Fassung (Umfang: 50 Seiten) können Sie sich hier als pdf downloaden (300 kB)
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2.5 Zusammenhänge von Ökologie und Architektur
2.5.1 Das Prinzip der Nachhaltigkeit
2.5.2 Das ökologische Prinzip
2.5.3 Technik und Ökologie
2.5.4 Das Prinzip des klimagerechten Bauens
2.5.5 Das psychologische Prinzip
2.5.6 Partizipation als Prinzip
2.5.7 Das Prinzip der Mehrfachnutzung
2.5.8 Das Prinzip der Einfachheit
2.5.9 Qualität als Eigenschaft
2.5 Die Zusammenhänge von Ökologie und Architektur
Ökologieforschung, als das Wissen um die lebenswichtigen biologischen Kreisläufe, existiert erst seit dem 20. Jahrhundert. Zwar ist der Begriff 'Ökologie' bereits seit 1866 durch den Biologen Emst Haeckel bekannt, dieser jedoch bezeichnete damit allgemein die Beziehungen der Lebewesen zu ihrer Umwelt [vgl. Hegger/Pohl-88, 44- 48]. Die Humanökologie als deren Teilbereich, untersucht die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt.
In der Biologie ist mit dem Begriff 'Ökologie' ein nach den Gesetzen der Natur existierendes, sich selbst reproduzierendes Netzwerk von Lebewesen gemeint, das durch das funktionale Ineinandergreifen verschiedenster Vorgänge eine Stabilität erreicht [vgl. Krusche-82, 1518]. Besonderes Merkmal eines Ökosystems ist, abgesehen von seiner Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten, daß es keinerlei Abfall produziert, bzw. dass Abfälle die Rohstoffe für weitere Produktionszyklen sind. Energie und Materie bilden einen in sich geschlossenen Kreislauf.
Ökologische Gebäude stellen, wenn sie in aller Konsequenz geplant wurden, ein in sich geschlossenes System dar, das Energie, Wasser, organische Abfälle sammelt, speichert, erzeugt und in den natürlichen Materialkreislauf zurückführt. Manfred Drum zufolge, können "Wohnanlagen und Stadtquartiere als Ökosysteme betrachtet werden. Sie sind Gebilde aus lebenden und unbelebten Bestandteilen, die untereinander und mit ihrer Umgebung Stoff, Energie und Information austauschen" [Drum-97, 1013].
In der griechischen Sprache bezeichnet 'Oikos' das Wohnhaus und 'logos' die Lehre oder Wissenschaft50. Im weitesten Sinne könnte demnach Ökologie auch als Wissenschaft des Wohnens in der umgebenden Natur verstanden werden. In erster Linie aber ist das ökologische Bauen Ausdruck einer bestimmten Haltung gegenüber einer Bauaufgabe. Je nach Ökologieverständnis und ethischem Standpunkt, werden die Ziele jedoch unterschiedlich definiert.
2.5.1 Das Prinzip der Nachhaltigkeit
Das, was heute unter ökologischem Handeln verstanden wird, bezeichnet den Umgang des Menschen mit seinen Lebensgrundlagen im Sinne einer Nachhaltigkeit. Der Begriff Nachhaltigkeit stammt ursprünglich aus der Forstwirtschaft, wo er seit 200 Jahren eine dauerhafte Wirtschaftsweise bestimmt: Es darf nicht mehr Holz geschlagen werden, als problemlos nachwachsen kann [vgl. Natterer96, Tomm-92 et al.]52 Da im Zusammenhang mit ökologischem Bauen der Baustoff Holz eine neue Präferenz erhalten hat, kommt, Julius Natterer zufolge, der Walderhaltung eine besonders hohe Bedeutung zu. "Ohne eine ökonomische und damit ertragreiche Waldbewirtschaftung sind Forderungen an ein ökologisch sinnvolles Bauen und Wohnen nicht zu erfüllen. Holz als nachwachsender Rohstoff steht nur dann in ausreichendem Maße zur Verfügung, wenn die Waldbewirtschaftung auf eine ökonomisch vertretbare Weise erfolgen kann"2 . Dennoch fügt er hinzu: "Die einzige Chance, die Wälder der Welt zu erhalten, ist die Verwendung von Holz im Bauwesen", denn auf diese Weise könne der überalterte Waldbestand verjüngt werden. Und nur der sei in der Lage, den Schadstoff CO2 in Sauerstoff umzuwandeln".
Nach Hassler und Kohler sind z. B. Lebenszyklus-Perspektiven54 von Baustoffen generell eine wichtige Planungsgrundlage für die Nachhaltigkeit im Bauwesen. Hierzu gehören: "die Lebenserwartung der baulichen und technischen Anlagen, die Ressourceneffizienz über eine lange Zeitdauer, die Reparaturfähigkeit, die Demontierbarkeit, die Wiederverwendbarkeit der Teile, die Ungefährlichkeit der Konstruktionen als Müll, die Trennbarkeit und die Deponierbarkeit" [Hassler/Kohler-98, 591]. Angesichts der Tatsache, daß diese Faktoren oft unbeachtet bleiben, folgern Hassler und Kohler: "Hinter vielen Bildern ökologischer Architektur stehen einschichtige, konventionelle Vorstellungen vom Fortschritt durch effizientere Technik, wie sie eigentlich am Ende des 20. Jahrhunderts überholt sein sollten" [Hassler/Kohler-98, 591]. Insgesamt werden, Hassler und Kohler zufolge, ökologische Maßnahmen als sogenannter "Paradigmenwechsel zurück zum Ideal der Langfristigkeit" empfunden und dies "nicht nur in der Ästhetik, sondern aus ganzheitlich-kulturellem Anspruch" [Hassler/Kohler-98, 591].
Grundvoraussetzung für eine Nachhaltigkeit beim Bauen ist daher, ökologische Daten als gleichwertige Planungsfaktoren anzuerkennen und sie in den Bau- und Planungsprozeß zu integrieren. Hierbei ist wichtig, zukunftsweisende, dauerhafte und vor allem integrale Konzepte einzusetzen, die einer langfristigen Entwicklung standhalten können.
Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang bedeutet, Magnago-Lampugnani zufolge auch, daß sich niemand mehr leisten kann, "die absurdesten Tragkonstruktionen mit den schrägsten Fassaden so zusammenzubringen, dass Bauschäden programmiert sind; wenn es nur pittoresk und heiter aussieht..." [Magnago-Lampugnani-93, 146]. Eine Ästhetik der Nachhaltigkeit, kann Wolfgang Sachs zufolge, nur eine "Ästhetik des Maßes" sein, die Maßhaltung nicht nur in der Architektur, sondern auch in der Lebenshaltung mit sich führt "ein schönes und gelungenes Leben führt am ehesten jener, der sich nicht jedem Genuß an die Brust wirft, sondern seine Vergnügungen zu modulieren und im Auf und Ab der Zeit auszukosten versteht" [Sachs-98, o. S.].
Der Bericht 'Unsere gemeinsame Zukunft', der 1989 unter der Leitung der norwegischen Premierministerin Gro Harlem Brundtland von einer Untersuchungskommission erstellt wurde, gab dem Begriff 'Nachhaltigkeit' erstmals eine erweiterte Bedeutung und brachte ihn mit einer gesellschaftlichen Entwicklung in Zusammenhang. Basierend auf diesem Bericht beschlossen die Vereinten Nationen 1992 die Einberufung einer UN-Konferenz in Rio de Janeiro, bei der eine nachhaltige, zukunftsverträgliche Entwicklung - als Übersetzung der englischen Bezeichnung Sustainable Development55 - zur zentralen Zukunftsaufgabe der Gesellschaften des 21. Jahrhunderts erklärt wurde.
Die Bandbreite der unterschiedlichen Definitionen und Schwerpunkte des ökologischen Bauens ist vielfältig. Mit dem Begriff 'Ökologie' werden heute häufig Sparkonzepte assoziiert, die jedoch nur einen Teilaspekt darstellen, der das Gesamte nicht erfaßt. Es geht vielmehr um ein Verständnis der komplexen Lebenszusammenhänge, um eine symbiotische Verknüpfung vieler Einzelaspekte und um den bewußten alltäglichen Kontakt mit den vier Lebenselementen Feuer, Wasser, Erde, Luft, auf denen, Margrit Kennedy zufolge, unser ganzes Leben beruht. "Es geht nicht in erster Linie darum, daß wir nicht so viel Wasser und Energie verbrauchen, nicht so viel Abfall produzieren dürfen, nicht soviel Wald vernichten usw. Es geht um etwas anderes, um ein tieferes Verstehen der vier Elemente als unserer Lebensbasis und sowohl um einen sparsamen Umgang wie auch ein Feiern und Zelebrieren, ein neues Erleben und Einbeziehen in unser tägliches Leben" [Kennedy-92, 5].
Auch Wolfgang Sachs meint, es reiche nicht aus, "unter Zukunftsfähigkeit nur eine Reihe von Reduktionszielen zu verstehen. Vielmehr muß man die Produktionsformen, Lebensstile und Denkweisen erkunden, in die ein maßvoller Naturverbrauch eingelassen sein könnte, (... ) denn Reduktionsziele allein informieren höchstens, beflügeln aber keinen" [Sachs-98, o. S.]. Die grundlegende Veränderung des heutigen Komfort- und Technikbewußtseins und des daraus folgenden Verhaltens ist, nach Joachim Ebles Ansicht, Voraussetzung dafür, "daß wir aus der Erfahrung des Alltags heraus wieder ,ökologisch werden', das heißt, unser Denken und Handeln in Einklang mit der Natur bringen, ohne uns zu ökologischem Denken und Handeln zwingen zu müssen" [Eble-96, 13]. Schindler zufolge ist dabei nicht der Verzicht im Umgang mit unseren Lebensgrundlagen das Entscheidende, sondem das Bewußtsein, einen wichtigen Beitrag zu leisten: "...eben nicht der Zwang zum Sparen, sondern die Freude, die es macht, mit der Umwelt in ein geglücktes Verhältnis gekommen zu sein, all das beflügelt auch die Vorstellungen von einer zukünftigen Architektur" [Schindler-98, 118].
Julia Bargholz definiert ökologisches Bauen als "Bauen im Einklang mit der Natur - nicht als Kampf gegen die Natur; es bemüht sich um ein bewußtes Einfügen in übergeordnete Kreisläufe, deren dynamisches Gleichgewicht zu erhalten voraussetzt, daß die ökologischen Belastungsgrenzen nicht überschritten werden, es bedeutet also: Bauen möglichst ohne Umweltbeeinträchtigung und ein Haushalten des Menschen mit der lebenden Natur, als Teil der Natur" [Bargholz-84, 16]. Darüber hinaus heißt ökologisches Bauen für Bargholz aber auch, "aus der Erkenntnis und dem Bewußtsein eines sozialen Ganzen heraus zu handeln, in Zusammenhängen zu denken, gemeinschaftlich zu siedeln und zu bauen, Bestandteil vielfältiger Vemetzungen zu sein und eben dadurch eine heterokulturelle Stabilität zu gewinnen. Das abgerundete Bild ökologischer Erfordernisse beinhaltet in seiner Ganzheitlichkeit ein harmonisches Wirkungsgefüge verschiedenster Bestimmungsfaktoren: technischer, politischer, sozialer, ökonomischer und architektonischer Art" [Bargholz-84, 16]. Für Arwed Tomm heißt ökologisches Bauen darüber hinaus, "alle Aspekte - wie Funktionalität, Wirtschaftlichkeit, Dauerhaftigkeit, Gestaltung und ökologische Ziele - ausgewogen auf die spezifischen Verhältnisse des einzelnen Bauvorhabens bezogen zu berücksichtigen" [Tomm-92, 4].
Mit wachsender Erfahrung im ökologischen Bauen werden immer perfektere technische Systeme zum Sparen von Ressourcen entwickelt [vgl. Daniels-95, Oswalt-94 et al.], die keine einschneidenden Veränderungen mehr in der Lebenspraxis der Bewohner bewirken. Das heißt zwar, daß der gewohnte Komfort trotz eines geleisteten Einsparpotentials erhalten bleibt, jedoch ändert sich durch den Einsatz von Technik das Bewußtsein der Menschen in Bezug auf die Umwelt nicht. Ökologie in Form von technischen Systemen allein fährt eher zu eindimensionalen Denkweisen oder gar zu einer Entmündigung des menschlichen Verhaltens. Dies bestätigt Thomas Herzog: "Je ausgeteilter die Technik wird, um so mehr verläßt man sich darauf. Zunehmende Automation im Betrieb macht die Gebäude immer weniger robust und die Nutzer abhängiger und ignoranter" [Herzog98, 594]. Auch Arwed Tomm hält den heutigen Aufwand für die Gebäudetechnik für bedenklich: "Die Entwicklung vom Auflegen eines Briketts auf die Feuerstelle zur computergesteuerten zentralen Heizungsanlage hat sich in wenigen Jahren vollzogen. Aber es ist bei weitem nicht alles, was unserer Bequemlichkeit dient, ökologisch und ökonomisch sinnvoll. (... ) Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat deutlich gemacht, daß jeder neue Entwicklungssprung, der ausschließlich technisch, bzw. ökonomisch begründet war, neue Probleme geschaffen hat" [Tomm-92, 49]. Wenn Menschen jedoch über ein bewußtes Handeln und eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität an das Thema Ökologie heran geführt werden, besteht die Möglichkeit eines neuen Verständnisses. Dies schätzt Bruno Schindler in einem Beitrag zum solaren Bauen ähnlich ein: "Die Ökologie belehrt uns, wie wir die Umwelt nutzen können, ohne sie zu zerstören. Aber die Ökologen versäumen es, uns darüber aufzuklären, wie wir diese Umwelt wahr-nehmen und für-wahr-halten, kurz: wie wir mit der Umwelt ins Verhältnis kommen" [Schindler-98, 113].
Den Bezug zwischen Umweltbewußtsein und einem entsprechenden Verhalten sieht Schindler in der Wichtigkeit von Ästhetik, da Etwas, das als schön gilt, auch schützenswert erscheint: "Die Erhaltung der Umwelt, besonders die Nachhaltigkeit ihrer Nutznießung, ist ein Akt der Selbsterhaltung, ist eine moralische Aufforderung; allerdings wird dabei häufig vergessen, daß all diesen Geboten die Wahrnehmung vorausgeht, sozusagen ästhetische Voraussetzung ist. Frei nach Brecht könnte man also sagen: Erst kommt die Ästhetik, dann die Moral" [Schindler-98, 113]. Die Schwierigkeit liegt, Schindler zufolge, darin, "die architektonische Ästhetik moralisch und die ökologische Moral ästhetisch zu begründen" [Schindler-98, 113].
Doch muß der Einsatz von Technik nicht zwangsläufig zu eindimensionalen Denkweisen fuhren. So gibt Frederic Vester, zu bedenken, daß die Natur eigentlich als Grundlage von Technik zu verstehen ist: "Technik kann durchaus mit der Natur vereinbar sein. Die Natur ist eigentlich derjenige Bereich auf der Welt, in dem die Technik ursprünglich zu Hause ist. Druckverteilung und Bogenarchitektur bei den Knochen, Hohlraumstatik und Dachkonstruktionen bei Diatomen oder Radiolarien, chemische Fabriken in Bakteriengröße wie die Mitochondrien im Innem unserer Zellen oder winzige Sonnenkraftwerke wie bei den Chloroplasten, kodifizierte Regeltechniken in den Nervenzellen des menschlichen Kleinhims, das die motorischen Bewegungen kontrolliert, oder akustische Peilantennen bei der Stechmücke, all das funktionierte natürlich schon lange vor unserem Auftauchen in der Welt des Lebendigen und ist echte Technik" [Vester-84, 14/15]. Auf dieser Erkenntnis entstand auch die Bionik, die versuchte, Prinzipien aus der Natur auf Architektur zu übertragen und die im Kapitel 3.7.1 näher erläutert wird.
Es soll nicht in Abrede gestellt werden, daß Technik eine immense Wichtigkeit für das Funktionieren heutiger Architektur und deren Komfortanspruch darstellt und im Sinne von Otl Aicher auch wünschenswert ist: "Es genügt nicht, allein die Anforderungen eines Gebäudes, auch die einer humanen Lebenswelt, auf optimale Weise zu erfüllen. Es geht eben auch um technische Phantasie" [Aicher-89, 26]. Wenn man jedoch davon ausgeht, daß - bewiesen durch regionale, traditionelle, der Umwelt angepaßte Bauweisen [vgl. Kap. 3.1] Architektur nicht unbedingt mit einem hohen Aufwand an Technik gleichzusetzen ist, führt dies auch zur Frage nach einer Verhältnismäßigkeit zwischen Technik und Baustil. Hassan Fathy bemerkte hierzu: "Wenn wir an die Lösungen des klimagerechten Bauens der Vergangenheit denken, (... ) dann stellen wir fest, daß sie einen kulturellen Wert geschaffen haben. Durch die Klimaanlagen von heute wurde diese Kultur vollständig beseitigt"56.
Stefano Bianca unterstützt die Verhältnismäßigkeit der Technik mit der Aussage: "Das enge Netz der rationalen Planung muß genug offene Maschen lassen, in denen auch selbstbestimmte, nicht nur zweckbedingte Lebensvorgänge spielen können. Dies würde erfordern, daß wir Distanz gewinnen zu den überreich vorhandenen Instrumenten der technologischen Weltschöpfung, daß wir sie nicht zum Selbstzweck einsetzen, sondern zur Unterstützung andersgearteter, oft sogar entgegengesetzter Kräfte, die unabdingbar sind für ein sinnvolles menschliches Leben" [Bianca-89, 67]17.
2.5.4 Das Prinzip des klimagerechten Bauens
Ökologisches Bauen bezieht seine Vorbilder aus den Archetypen des Bauens und Wohnens und deren Entwicklungsgeschichte [vgl. Kap. 3. 1 ]. Wichtige Kriterien sind demzufolge die klimagerechten Aspekte, wie z. B. die Lage des Gebäudes innerhalb der Topographie, die Lage zum Wind und die entsprechenden Windschutzmaßnahmen, die Beeinflussung des Mikroklimas durch Vegetation und Außenraumgestaltung sowie die Gebäudeform, die Orientierung, die Größe und Anordnung der Fensterflächen und die Grundrißzonierung.
Für den Energiehaushalt ist, neben den Maßnahmen zur Minimierung des Wärmeverlustes, das vorhandene, regenerative Energiepotential desStandortes entscheidend. Um den Energiebedarf zu senken, sind die passive und aktive Solarenergienutzung, Wärmerückgewinnung von Abluft oder Abwasser, Wärme-Kraft-Kopplung etc. von hoher Effizienz. Ziel des Wasserhaushaltes wiederum ist es, z. B. vemetzte Ver- und Entsorgungssysteme zu entwickeln, die sich schadlos in die natürlichen Wassersysteme integrierend. Im Grundsatz heißt ökologisches, nachhaltiges und klimagerechtes Bauen darüber hinaus, Architektur zu konzipieren, die qualitätvoll und ästhetisch dauerhaft ist, das heißt, aus Materialien besteht, die auf natürlich-ästhetische Weise altem können [vgl. Kap. 2.6.3].
2.5.5 Das psychologische Prinzip
Ein weiterer Aspekt des ökologischen Bauens ist die Einbeziehung der psychischen Wirkung von Räumen, Materialien und Oberflächen auf den Menschen. Demzufolge kann ökologisches Denken und Handeln nur auf der Basis eines sensibilisierten Wahmehmungsvermögens wirksam werden. Nicht nur die Wirkung der natürlichen Materialien und Oberflächen sollen Seh-, Geruchs- und Tastsinn ansprechen, sondem auch Belichtung, Belüftung, Besonnung und Begrünung der Räume. Alle Sinne zu aktivieren, ermöglicht dem Menschen das Erfahren der vielfältigen Zusammenhänge in räumlichen Gef-ügen [vgl. Krusche-81, Eble-96 et al.]: "Es gibt, ein ganzes Spektrum von Hinweisen darauf, daß menschliches Wohlbefinden vor allem durch ein sinnliches Erleben der Natur zu erreichen ist, daß der menschliche Körper ein biologischer Organismus ist, der krank wird, wenn ihm seine natürliche Basis entzogen wird, ganz abgesehen von dem direkten Gesundheitswert naturreiner Lebensmittel wie Luft, Wasser, Nahrung [Krusche-81, 34].
Insbesondere ist in diesem Zusammenhang die Berücksichtigung jener Aspekte entscheidend, die häufig unbeachtet bleiben: "..das Aufspüren der lokalen Besonderheiten, das Erfassen des Sozialraums und das partizipative Entwickeln von Strukturen, die eine optimale Wechselwirkung mit dem Gebauten fördem" [Drum-97, 1015]. Auch Vasella ergänzt die rein "umweltbezogenen Aspekte", die "nebst dem Freiraum und der Pflanzen am Bau, vor allem das Gebäude selbst und damit auch die Stoffe und Materialien, aus denen es gebaut ist" betreffen, mit denen des Städtebaus: "In Städtebau und Architektur integriert wirkt Ökologie im und am Bau positiv auf die Atmosphäre des Ortes" [Vasella-93, 76]. Daraus schließt Vasella: "Insofern erfaßt ökologische Architektur neben meßbaren Größen auch die nicht meßbaren Qualitäten des Raumes" [Vasella-93, 76].
2.5.6 Partizipation als Prinzip
Ein anderes Verständnis der Lebenszusammenhänge und der Respekt vor den Phänomenen der Umwelt bringt auch einen anderen Umgang mit der Realisierung von Projekten mit sich: Ökologisches Bauen erfordert einen umfassenden sozialen Planungs- und Organisationsprozeß. Die Partizipation zukünftiger Bewohner ist schon allein deshalb unumgänglich, da erst die soziale Netzwerkbildung ein ökologisches Projekt tragbar und aktionsfähig macht [vgl. Kap. 2.5.6]. Darüber hinaus gewinnen ökologische Projekte an Zusammenhalt, wenn sie auf ihre Bewohner zugeschnitten sind und nicht, wie normalerweise üblich, die Wohnungen nach dem Zufallsprinzip vergeben werden, wie zahlreiche langjährig funktionierende ökologische Siedlungen beweisen 59. Insbesondere im verdichteten Wohnungsbau ist die Kunst des prozessorientierten Planens wichtig, da gerade hier intensive soziale Bezüge entstehen und die Wirkungszusammenhänge schnell deutlich werden. Nach Joachim Ebles Erfahrung, greift jedoch ein funktionierender Siedlungsorganismus "wie ein homöopathisches Medikament heilend in die Fragen der Nachbarschaft ein" [Eble-93]60.
Auch in ästhetischer Hinsicht können sich Gemeinschaft und Kooperation positiv auswirken, da eine Identifikation der Nutzer mit ihrem Umfeld als ihrem 'Zuhause', spürbar wird. Alexander Mitscherlich bestätigt, daß es in erster Linie befriedigende zwischenmenschliche Beziehungen sind, die Menschen ein Gefühl der Heimat vermitteln. "Heimat ist gewiß kein objektiver Tatbestand. Vielmehr läßt sich eine Fülle von Empfindungen mit einem Ort, einer Landschaft heimatlich verbunden sein, weil ich in ihr und vornehmlich in meiner Wohnung mitmenschliche Erfahrungen gemacht habe, die mein Leben bestimmt - und waren es gute Erfahrungen oder wenigstens überwiegend befriedigende - es glückhaft bestimmt haben" [Mitscherlich-65,124].
Ergänzend dazu spielt die im allgemeinen unübliche Möglichkeit der Bewohner, aktiven Anteil an der Gestaltung zu nehmen, eine ästhetische Rolle. Sie führt oft dazu, daß neu gebauten Siedlungen weniger Fremdheit anhaftet61. Die Zusammenhänge und Verflechtungen aller partizipativer Komponenten beschreibt Drum: ,Wo aber Material und Baustruktur den Bewohnern Selbsthilfe und Eigengestaltung ermöglichen, wo Flexibilität dynamischen Selbstorganisationprozessen entgegenkommt, wo die Chancen sozialer Moderationsarbeit wahrgenommen werden, da kann sich Engagement für nachbarschaftliches Wohnen und umweltbewußtes Verhalten entwickeln. Und dies kann wieder den Wirkungsgrad ökologischer Komponenten des Wohnungsbaus wesentlich verbessern" [Drum-97, 1013].
Nach Zimmermann lassen sich drei Stufen der Partizipation unterscheiden: die Evaluation, die Planungsbeteiligung und der Selbsthilfe. Bei der Evaluation besteht die Beteiligung in der Befragung des Nutzers zu einer bereits bestehenden Planung, zu der er Kritik üben oder seine eigenen Wertvorstellungen einbringen kann. Die Planungsbeteiligung erfolgt bereits in der Phase des Entwurfs und setzt einen intensiven Dialog zwischen Architekt und Nutzer über dessen konkrete Lebens- und Bedürfnislage und architektonischen Vorstellungen voraus. Beim Selbstbau ist der spätere Nutzer - entweder allein oder in Kooperation mit anderen - am Bau beteiligt und übt dabei entscheidenden Einfluß auf die Umsetzung und Gestaltung aus. Die Funktion des Architekten wird auf die des Bauleiters und Beraters reduziert [vgl. Zinunerrnann-93, 13 ff].
An dieser Stelle nimmt die ästhetische Qualitätsdiskussion der Partizipation eine besondere Rolle ein. Wohnungsbau, der im Zusammenwirken mit den Bewohnern erfolgt, steht meist im Gegensatz zur sogenannten formalen Selbstdarstellung des Architekten. Das partizipatorische Bauen ist mehr den Prozessen der Erzeugung und Benutzung verpflichtet, als einem fiktiven Endprodukt. Die letztgültige ästhetische Gestaltgebung erfolgt, wenn auch relativ klar definiert, im Rahmen der Selbstentfaltung des Bewohners. Einerseits wird geschildert: "Wohnarchitektur kann hier zum Spiegel lebendiger, sich wandelnder Sozialstrukturen werden. Architekt/Innen, die durch den Gestaltungswillen der Bewohner ihr "Werk" gefährdet sehen, haben die Chance verpaßt, die Energie- und Gestaltungspotentiale der Menschen vor Ort zu integrieren" [Drum-97, 1016]. Andererseits wird formuliert, daß im Gestaltungswillen der Bewohner auch eine Gefahr des Verlustes an wirklicher ästhetischer Qualität liegen kann. Von Laien mitgestaltete Architektur möge zwar für eine gewisse Vielfalt nützlich sein, könne aber auch dazu fuhren, daß nur Gewohntes und Bekanntes wiederholt oder nur den eigenen individualistischen Wohnbedürfnissen Rechnung getragen würde, ohne etwas ästhetisches und qualitativ Angemessenes oder Neues hervorzubringen [vgl. Tischer-93, 3]. "Typisch für Laienarchitektur ist, daß die Nutzer oft kritik- und bewußtlos den Idolen und Klischees verfallen, die ihnen in der Massenkultur unentwegt vorgemacht werden. So kommt es, aus verständlichen Sehnsüchten, z. B. zu den Grotesken des Kitschigen (...)“ [Zimmermann-93, 14].
Aus der Realisierungspraxis verschiedener partizipatorischer Projekte in Österreich berichtet Eilfried Huth, das Ergebnis zeige, "den Bildungs- und Informationsrückstand der Beteiligten. So sind viele Details durch den Rückgriff auf Klischees gekennzeichnet, und bei der Farb- und Formauswahl ist Unsicherheit zu erkennen (... ). Ein Problemkreis für sich ist die Wahl des Baumaterials und die Auswirkung auf die Erscheinungsform der Wohneinheiten. Dabei ist festzustellen, daß die ökonomischen Zwänge, verbunden mit bestimmten Prestigevorstellungen, den größten Einfluß bei der Auswahl und Verwendung der Baustoffe haben" [Huth-83, 61]. Julia Bargholz zufolge kann "eine prozeßhafte, gewissermaßen gesprächige Architektur jedoch in der Lage sein, längst verlorengegangen Anmutungsqualitäten zurückzugewinnen und ermöglicht sinnlich räumliches Erleben, angeregt durch eine Vielfalt von Formen. Strukturen, Material und Nutzungsmöglichkeiten" [Bargholz-84, 151 Auch Ot Hofftnann sieht die Veränderungen im partizipatorischen Gestaltungsprozeß positiv: "Damit ist Planen und Gestalten nicht mehr in gleichem Maße wie früher ein Regieren, möglichst aufgrund eines lernbaren Formenkanons, der Nichtstudierten verschlossen blieb. sondern ein Reagieren für mehr Menschen als Fachleute. Das Grün mit seiner ständigen Veränderung steht dabei für die Änderungswünsche, die Menschen haben und die sich bisher bestenfalls im sinnlosen Herumrücken von Möbeln ausdrücken konnten" [Hoffmann-91, 27].
Die demokratische Vorgehensweise der Partizipation kann auch dazu führen, daß ästhetischen Gesichtspunkten - von Laien oft leichtfertig als sogenannte 'Geschmacksache' abgetan - kein wirklicher Platz eingeräumt wird. Geschmäcker sind jedoch subjektiv geprägt von gesellschaftlichen Normen, durch Erziehung, Erlebnisse und Begegnungen im Laufe eines Lebens. Ästhetisches Empfinden dagegen muß erst erlernt werden. "Geschmack ist keine Gefühlsregung, sondem setzt ein Urteil voraus. Er basiert auf Wissen, auf Kenntnissen, also auf Unterscheidungsmerkmalen. Erst wenn ich informiert bin, kann ich Geschmack ausbilden - und bin urteilsfähig" [Sack-95, 19].
Es stellt sich also die Frage nach dem Maß des gestalterischen Einflusses durch den Architekten. Daß sich dessen Vorstellungen in den seltensten Fällen mit denen der Bewohner decken, liegt daran, daß ein mehrere Jahre dauemdes Architekturstudium den Blick für Qualitäten schult und sensibilisiert, die anders Gebildete als nichtssagend empfinden. Im bewußten Hinschauen wird der Sinn für die ästhetischen Bedingungen guter Architektur geschärft, während an Schulen, in der Öffentlichkeit und in den Medien, abgesehen von Fachzeitschriften und einigen wenigen Zeitungen, kaum Auseinandersetzungen über ästhetische Fragen in der Architektur stattfinden. Deshalb ist es nicht erstrebenswert, daß Bewohner allein über die Gestaltung der gebauten Umwelt bestimmen und Architekten zu den Ausführenden fremder, ästhetisch laienhafter Ideen werden. Aus dieser Erkenntnis heraus schließt Gert Hansen: "Man kann Bewohner nur bedingt in den Entwurfsprozeß einbeziehen. Ein Bauherr sieht nur sich, in seiner momentanen Situation, nicht das Gebäude und nicht das gebaute Ergebnis. Das bedeutet nicht zwangsläufig Qualität für ein Gebäude. Man muß den Bauherrn 'intelligent lenken', um ein qualitätvolles Gebäude zu schaffen' 62.
Natürlich ist es nicht so, daß Architekten gemeinhin wissen, was unter ästhetischer Qualität zu verstehen ist und die Bewohner nur uniformes Mittelmaß hervorbringen. Einer Verallgemeinerung in dem Sinne, daß Architektenentwürfe per se qualitätvoller sind, kann die gebaute Realität nicht standhalten. Insbesondere zeigt der Blick auf die anonyme Volksarchitektur, die in erster Linie an ihrer Tauglichkeit bemessen wurde, daß keinesfalls davon gesprochen werden kann, daß sie unschöne oder weniger qualitätvolle Beispiele hervorgebracht habe. Die Selbstüberschätzung von 'erfolgreichen' Architekten, die ihre Wertvorstellungen zum Maßstab erklärten, zeigte sich im Laufe der Geschichte häufiger. So konstatiert Michael Andritzky rückblickend zum Thema selbstbestimmtes Wohnen': "Freilich dachten die Meister des Bauhauses nicht an Partizipation. Auch wollten sie keine Anleitung zum Selberbasteln geben. Sie waren im Gegenteil davon überzeugt, daß es die historische Aufgabe einer gestalterischen Elite sei, die Muster zu schaffen, nach denen die Produkte einer demokratischen Massenkultur zugeschnitten werden müßten, und daß die besten Künstler und Wissenschaftler gerade gut genug für dieses Unterfangen seien" [Andritzky-83, 17].
Im Gegensatz dazu sieht Thomas Herzog den Aspekt des Selbstbaus, der Partizipation durch den Nutzer und die daraus entstehende Situation für den Architekten eher pragmatisch: "Man gräbt sich oder dem Berufsstand keineswegs das Wasser ab - so wenig wie dem Baugewerbe - wenn man Menschen, die aus Kostengründen sonst kaum Bauen könnten, hilft, zum eigenen Heim zu kommen" [Herzog80, 457]. Vasella empfindet dies auch als Herausforderung. Seiner Ansicht nach, "sollen die Vorgänge für Bewohner, Nutzer und alle Beteiligten weitgehend durchschaubar sein. Mit dieser Transparenz werden frühzeitige, kontrollierte Eingriffe möglich, die die Nutzer zu bewußt handelnden Menschen machen. Denn das Wissen, Dinge auch anders werden lassen zu können, läßt Souveränität entstehen" [Vasella-93, 77]. Dennoch bleibt das gemeinsame Gestalten mit Bewohnern in jeder Hinsicht eine Art Gratwanderung und erfordert auf beiden Seiten Bereitschaft zum genauen Hinhören und einer Offenheit dem besseren Argument gegenüber.
2.5.7 Das Prinzip der Mehrfachnutzung
"Das ökologische Bauen bedarf der Konzeption eines Haushaltsplans nach den Prinzipien der Kreislaufnutzung. Dem Kreislaufprinzip entspricht die Mehrfachnutzung und Wiederverwendung" [Eble-96, 15]. Erst wenn einem Bauteil, einem Raum, Oberhaupt einer Planungsmaßnahme mehrere Funktionen zukommen, entsteht Flexibilität und Stabilität in einem System. Vester zufolge entspricht dieses Prinzip der "Energie und Aufwand sparenden Arbeitsweise der Natur, wo die Bestäubung der Blüten gekoppelt ist mit der Ernährung der Insekten, wo der Regenwurm nicht nur den Vögeln als Futter dient, sondern gleichzeitig den Boden durchlüftet, wo die Blätter die Feuchtigkeit zwischen Pflanze und Luft regeln, aber auch die Photosynthese besorgen" [Vester-83, 74].
Im ökologischen Bauen ist unter anderem der Wintergarten ein Element der Mehrfachnutzung. Er dient nicht nur der passiven Solarenergienutzung zur Einsparung von Energie und der Luftverbesserung durch den gezielten Einsatz von Pflanzen, sondern gleichzeitig entsteht Raum für die Erzeugung von giftfreier Nahrung, für die Verwendung kompostierter Abfälle und neuer, qualitätvoller Lebensraum. Auch Fassaden- und Dachbegrünungen zeichnen sich durch ihren Mehrfachnutzen sowohl für den Luft- und Wasser- als auch für den Materialhaushalt aus. Diese Multifunktionalität ist zwar kein Gesetz, dennoch kann sie ein wichtiges Indiz für eine ökologisch sinnvolle Baumaßnahme sein.
Das Prinzip der Mehrfachnutzung entspricht auch dem der Permakultur. Ursprünglich bedeutete der Begriff Permakultur dauerhafte Landwirtschaft' (permanent agriculture). Heute wird dar-unter eine Entwurfsmethode verstanden, die das Ziel hat, "stabile, sich selbst erhaltende Systeme im Einklang mit ökologischen Prinzipien zu schaffen, die dem Menschen nicht nur Nahrung schenken, sondern auch Energie, Wärme, sinnvolle Beschäftigung und einen neuen sinnlichen Bezug zu elementaren Lebensgrundlagen" [Kennedy-94, 18].
Eine besondere Form der Mehrfachnutzung sieht Vester im Prinzip des Recycling, "der Wiedereinfiihrung alles Produzierten und Verbrauchten in einen neuen Kreislauf' [Vester-94, 16]. Zur Wiederverwendung geeignete Recyclingmaterialien, die beim Errichten von Gebäuden eingesetzt werden, sind nicht nur im Hinblick auf ihren Mehrfachnutzen erwähnenswert. Ihr fortgeschrittener Alterungsprozeß ist gleichermaßen ästhetisch wirksam. Durch die spannungsreiche Synthese von Alt und Neu ist ein Neubau nicht mehr zwangsläufig von der Fremdheit begleitet, die ein noch unbewohntes Gebäude mit sich bringt. Der mit einer Recycling-Ästhetik verbundene Wertewandel, wird jedoch nur von einer Minderheit getragen und durch die verbreitete Vorliebe zu Sauberkeit und Ordnung mit weit reichender Skepsis betrachtete.
2.5.8 Das Prinzip der Einfachheit
Ursprünglich galt die Einfachheit als ein Baustein des ökologischen Bauens, der jedoch im Zuge der technisch orientierten ökologischen Architektur immer mehr aus dem Blickfeld geriet. Noch 1981 schrieb Wolf-Rüdiger Lutz über seine Erkenntnis auf den Ausstellungen der Altemativbewegung in Amerika, "daß ein ungeheuer großes Interesse an einer verständlichen, kleinen und selbstbestimmbaren Technik besteht. Für viele Besucher war es ein großes Erlebnis, die ÖkoHäuser zu durchwandern und zu sehen, daß alles an diesem Gebäude verständlich, sinnvoll und von ihnen selbst bedient werden konnte. Angefangen bei den Vorhangsystemen und Fensterläden, die zur Verschattung und Öffnung der Treibhäuser dienten, den Sonnenenergiesystemen, die es erlaubten, unabhängig von den städtischen Systemen zu heizen oder zu kühlen - bis hin zu den biologischen Trockentoiletten, die Kompost für den Gemüsegarten produzierten. Alles war einsichtig, kontrollierbar und ökologisch sinnvoll; die Leute konnten sich wieder als Herr im Hause' verstehen und nicht als inkompetente Nutzer' einer komplizierten, nur von Fachleuten handhabbaren Wohnmaschine" [Lutz-81, lll]. Dieser Meinung ist auch Arwed Tomm. Auch er fordert im ökologischen Bauen eine unkomplizierte Technik, "deren Funktionsweise für den einzelnen durchschaubar ist, (... ) die langlebig ist und einfach gewartet werden kann" [Tomm-92, 5/6].
2.5.9 Qualität als Eigenschaft
Qualitäten im ökologischen Bauen sind von einer lebendigen und organischen Entwicklung nicht zu trennen: Eine qualitätvolle ökologische Siedlung kann nur durch einen sich langsam entwickelnden Prozeß entstehen, der von allen Beteiligten mitgetragen werden muß [vgl. Drum-97 et al.]. Auch wird der Begriff Qualität' gleichgesetzt mit Funktionalität und Haltbarkeit, Kleinteiligkeit und Überschaubarkeit, insbesondere aber mit Sinnlichkeit und Schönheit durch natürliche Materialhaftigkeit, Achtsamkeit in Bezug auf den Umgang mit einem Ort und einer den Menschen in seelischer und physischer Hinsicht stutzenden Bauweise, die einen respektvollen Umgang sowohl mit allem Lebendigen als auch mit allem Materiellen einbezieht [vgl. Day-961. In ästhetischer Hinsicht wird in der ökologischen Architektur mit Qualität eine naturbetonte, tiefgründige, schöpferische, auch auf sinnlicher Ebene gelungene, manchmal betont ,antiästhetische' Wertvorstellung bezeichnet, die sich aus einer positiven Geisteshaltung gegenüber Mensch und Natur begründet und nur wenig mit der herkömmlichen, rein formalen Perfektion von Architektur gemein hat [vgl. Bargholz-84, Day-96 et al.].
Eine qualitative Wertigkeit von Gebäuden in diesem Sinne zu ermitteln, bedarf eines genaueren Hinsehens und Erfassens. Insbeson-
dere deshalb, da sich die Interpretationen hierzu im subjektiven Bereich bewegen. "Man muß tiefer schürfen, sozusagen die Strukturen und inneren Zusammenhänge offenlegen, um dann den Ursprüngen der Qualität nachzuspüren." [Brensing-97, 655]. Brensing zufolge ist es auch notwendig, "der Qualität im Verborgenen nachzustellen, die ihr zugrunde liegenden Strukturen nachzuweisen und an einigen Merkmalen zu verdeutlichen" [Brensing-97, 655].
51 vgl. auch Kap. 2.5.7, Abschnitt Perrnakultur'
52 Zitat entnonunen aus einem Vortrag von Prof. Julius Natterer: "Die Verwendung von Holz im Bauwesen", am 21.11.96 am Fachbereich Architektur der Universität Hannover
53 s.o.
54 Lebenszyklus-Perspektiven betrachten den Energieverbrauch eines Baustoffes von der Herstellung, über die Lebensdauer, bzw. Sanierung, bis zu seiner Entsorgung
55Mit den verschiedenen Übersetzungen von 'Sustainable Development' setzte sich auch die Enquete-Kommission "Schutz des Menschen und der Umwelt" auseinander [vgl. Enquete-Kommission-93, 21 ff]
56 Zitat von Hassan Fathy ohne Herkunftsnachweis entnommen aus: Hagan, Susannah: "Zurück zur Natur - ein Beitrag zur Bewertung ökologischer Architektur, in: "Umweltorientierter, bauökologischer Pressespiegel", Nr. 11, 1/97
57 Stefano Bianca, Dr. sc. techn., Dipl.-Arch. war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung Leiter des Unesco-Projektes zur Erhaltung der Altstadt von Fes/Marokko.
58 vgl. hierzu die Grundlagenwerke zum ökologischen Bauen: [Krusche-81, Tonim-92, Oswalt-94 et al.]
59 u.a. Siedlung in Kiel-Hassee, Selbsthilfeprojekt Altötting, Ökosiedlung Gärtnerhof in Gänserndorf sowie in den siebziger Jahren entstandene Projekte wie z. B. die Selbsthilfesiedlung von Doris und Ralph Thut
60 Zitat entnommen aus der Zusanunenfassung eines Vortrags von Joachim Eble im "Report on lecture of 1. Sept. 1993", der Europäischen Akademie für städtische Umwelt, Berlin
61 vgl. hierzu auch die Aussagen der 'Baufrösche', Kassel, in Kap. 4.3.2
62 Zitat entnommen aus einem Vortrag von Gert Hansen, Architekturbüro Archi Nova, Bönnigheim, im Ökozentrum NRW in Hamm am 24.4.96.
63 Äußerungen von Bewohnem ökologischer Siedlungen bei der Recherche "Zukunftsweisender ökologischer Siedlungsbau", [vgl. Haas-93]