Anfahrtsbeschreibung

Bauträger, Architekten

Ökobilanzierung

Das Ökohaus

Solaranlage

Zusammenfassung

Referat als  download (1,2 MB)

13. März 1999
 

Heinrich-Böll-Siedlung Berlin-Pankow 

Dieser Bericht ist im Rahmen einer Studierendenexkursion entstanden, die vom Stiftungslehrstuhl Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus an der Universität Karlsruhe durchgeführt wurde. Das komplette Programm und weitere Berichte über ökologische Siedlungen und Gebäude finden Sie auf der Homepage des Lehrstuhls

Das letzte Projekt der Exkursion führte zur Heinrich-Böll-Siedlung im Berliner Stadtteil Pankow. Dieses Forschungsprojekt ist ein gutes Beispiel für ökologisches und ökonomisches Bauen. Besonders die gestalterische Integration der großen Flächen der Solarstromanlage ist gut gelungen, aber auch die hohen baubiologischen Standarts im Mietwohnungsbau sind bemerkenswert.

Viel Spass beim Lesen wünscht
Holger Wolpensinger




 

 

Die GSW Berlin mbH 

Die GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH gehört zu den großen städtischen Wohnungsvermietern in Berlin. Sie verwaltet eigene Bestände und Wohnungen Dritter in ganz Berlin und bietet ihren Mietern die Möglichkeit, Wohneigentum zu bilden. Sie plant und errichtet Neubauten auf eigene oder fremde Rechnung. Die GSW erstellt und realisiert städtebauliche Planungen und Entwicklungs- und Erschließungsmaßnahmen. Darüberhinaus ist die GSW seit Jahrzehnten ein anerkannter Sanierungsträger in Berlin und Brandenburg. Die GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH geht auf die Gründung der Wohnungsfürsorgegesellschaft Berlin von 1924 zurück. Seit ihrer Gründung befindet sich die GSW zu 100 Prozent im Besitz der Stadt Berlin. Heute besitzt und bewirtschaftet die GSW über 72.000 Wohnungen in fast allen Stadtbezirken außer Marzahn, Hellersdorf, Tempelhof und Neukölln.

Die Betreuung des Wohnungs- und Gewerbebestandes erfolgt durch zehn Geschäftsstellen, die eine kundennahe Dienstleistung gewährleisten sollen. Der Mietenumsatz der Gesellschaft betrug im Jahr 1998 rund 660 Mio. DM. Die Bilanzsumme lag bei rund 4.5 Mrd. DM. Neben umfangreichen Modernisierungs- und Instandsetzungsprogrammen werden jährlich rund 500 Wohnungen für Mieter und Eigentümer errichtet. 

Dem Geschäftsbereich Wohnungswirtschaft ist die Vermietung und Instandhaltung des Wohnungsbestandes und die Entwicklung neuer Geschäftsfelder zugeordnet. Der technische Geschäftsbereich verfügt in den Bereichen Planung, Neubau und Modernisierung über eigene Abteilungen für die bauliche Unterhaltung und die Haustechnik, für städtebauliche Planungen, für Hochbau- und Landschaftsplanung sowie für die Verdingung und Überwachung von Bauleistungen. Der kaufmännische Geschäftsbereich umfasst neben den Verwaltungsabteilungen den Vertrieb von Eigentumsmaßnahmen und die Wohnungseigentumsbildung für Mieter einschließlich Finanzierungsberatung. 

Die GSW-Geschäftsstellen betreuen jeweils einen Bestand von 5.000 bis 12.000 Wohnungen. Kleine Teams sollen ein mieternahes, flexibles und kostenbewusstes Wohngebietsmanagement gewährleisten. Der Grundbesitz der GSW erweiterte sich neben der Neubautätigkeit durch die Übernahme vormals kommunaler Wohnungen in den Bezirken Reinickendorf, Spandau, Kreuzberg und Zehlendorf. Schließlich betreut die GSW-Gruppe Wohnungseigentümergemeinschaften sowie den Grundbesitz anderer Bauherren im Rahmen üblicher Verwalterverträge. Insgesamt hat die GSW-Gruppe über 1.100 kaufmännische, technische und gewerbliche Mitarbeiter.

 
GSW Gemeinnützige Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Berlin mbH
Tel. 030- 25 34- 0, Fax. 030- 251 8234,  info@gsw.de..www.gsw.de


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Freiraumgestaltung

 
Die Siedlung entstand auf einem ehemaligen Gärtnereigelände. Die Gärtnerei hieß "Grüne Zukunft" und ein Zukunftsmodell für ökologisches Bauen wollte die GSW hier realisieren. Die Höfe zwischen den Häusern wechseln zwischen Erschließungs- und begrünten Wohnhöfen ab. Die Wohnhöfe wurden thematisch nach den Landschaftsthemen Wald, Wiese, Wasser gestaltet. Ein kleiner Wasserlauf durchzieht die Siedlung und verbindet die einzelnen Höfe untereinander.

Insgesamt soll die Siedlungstark begrünt werden, um das Wohnumfeld attraktiver zu gestallten. Die Wohnungen sind ausgestattet entweder mitTerrasse - im Erdgeschoss - oder mit Balkon, Wintergarten oder einer Loggia. Auch mit den Wohnküchen und optimierten Grundrissen wirken die Wohnungen großzügig und alles andere als für Minderbemittelte erstellt. Die Heinrich-Böll-Straße, worüber die meisten Wohnungen erschlossen werden, ist als Tempo 30-Bereich ausgewiesen. Über sie erreicht man die Kfz-Stellplätze, die in der Regel direkt vorm Eingangsbereich angeordnet sind. Die letzten Arbeiten in der Freiraumgestaltung waren zum Zeitpunkt unseres Besuchs noch nicht ganz abgeschlossen.
 


Das Ökohaus
 
Der Beweis sollte erbracht werden, dass ökologische Prinzipien auch ökonomisch sind. Das Ergebnis ist überzeugend: Eine Wohnung in der Heinrich-Böll-Siedlung kostet 8,10 - 9,10 DM/m². Hinzu kommen 6,-DM/m²für Betriebskosten und Heizung. Die Wohnungen in der Heinrich-Böll-Siedlung sind zwei bis vier Zimmer bzw. 58 bis 85 m² groß. Dazu gehören Terrasse, Wintergarten, Loggia oder Balkon, bei den größeren Wohnungen ein Gäste-WC. Außerdem stehen den Mietern Kfz-Stellplätzein den Erschließungshöfen zur Verfügung. Die Wohnungen werden nur an Mieter vergeben, die einen Wohnberechtigungsschein haben. Eine Freistellung davon ist möglich, aber ggf. mit einer Ausgleichszahlung verbunden. 
 



Ökobilanzierung 
Exemplarisch wurde in der Heinrich-Böll-Siedlung an einem der 11 Gebäude des ersten Bauabschnitts ein Referenzhaus mit ökologisch hohen Qualitätsstandards mit einem Berliner Standarthaus verglichen. Hierzu wurde eine Umsetzungsstudie durchgeführt, die mit Wissenschaftlern besetzt war, wie z.B. Prof. Peter Steiger, Prof. 7Julius Natterer, Dipl.-Ing. Holger König, und weiteren Fachgutachtern für Kosten- und Baustellenmanagement, Kostenschätzung, Alternative Gebäudetechnik und für das Integrale Energiekonzept. 

Eine Studie im Vorfeld der Planung überprüfte die Kosten ökologischer Maßnahmen und Schwachstellen in der Planung. Zur Bewertung der Baumaterialien wurde ein Kriterienkatalog erstellt. Über eine Matrix, wie unten für eine Brettstapel- und eine Ziegelwand abgebildet, wurden die einzelnen Baustoffkriterien graphisch dargestellt und bewertet. In der Verdunkelungsgraphik bedeutet die dunklere Graphik die ökonomisch und ökologisch ungünstigere Variante.





Brettstapelbauweise

Brettstapelelemente nach dem System von Prof. Julius Natterer, Schweiz werden aus trockenen und gehobelten Brettern durch kontinuierliche Nagelung oder Hartholzverdübelung der Stapel hergestellt bzw. maßgerecht vorgefertigt. 

Je nach Breite der verwendeten Bretter entstehen auf diese Weise 8-12 cm starke Wandelemente oder 12-24 cm starke Brettstapeldecken. Für größere Spannweiten mit bis zu 10 Metern wird vor Ort eine Holz-Beton-Verbunddecke (HBVD) hergestellt. Ähnlich wie bei einer 'Filigrandecke' wird nach Verlegen der Brettstapelelemente Ortbeton aufgebracht und schubfest mit den Brettstapelnverbunden.
 

 
Vorteile der Brettstapelbauweise:
 
- hohe Wärmedämmung und guter sommerlicher Wärmeschutz durch die großflächige Holzmasse
- angenehme Oberflächenstruktur, die im Innenbereich sichtbar belassen werden kann und keine Dampfbremse oder sperre benötigt
- hohe Oberflächentemperaturen u. ausgleichende Wirkung auf die Raumluftfeuchtigkeit
- sehr gute schallschutztechnische Eigenschaften, die im Holzbau ansonsten nur mit hohem Aufwand zu erreichen sind


Die Brettstapelbauweise wurde mit der Heinrich-Böll-Siedlung erstmalig im Berliner Geschosswohnungsbau eingesetzt. Die maßgerechten Elemente wurden von einheimischen Betrieben aus europäischem Fichtenholz hergestellt. Alle Geschossdecken im Ökohaus wurden als HBVD mit 12 cm Brettstapel und 9 cm Aufbeton ausgeführt. Zur Dämmung des Brettstapeldaches werden Zelluloseplatten mit d = 20 cm verwendet. 

Im Innenbereich wurde die Deckenuntersicht mit emissionsfreier, mineralischer Lasur auf Wasserglasbasisgestrichen, die nach leichtem Anschliff erneuerbar ist, ohne dass es zu einer Versiegelung der Holzoberfläche kommt. Nichttragende Außenwände sind ebenfalls in Brettstapelbauweise mit einer Dicke von 8 cm ausgeführt und werden mit 18 cm Dämmung versehen. Im Innenbereich werden sie wie auch die übrigen Wände im Ökohaus zweilagig mit Lehm verputzt.
Das Dach sollte ursprünglich ebenfalls in Brettstapelbauweise realisiert werden, jedoch aus Kostengründen als Sparrendach realisiert. Jedoch teilte uns Herr Jaeschke mit, seien die Entwicklungen im Brettstapelbereich mittlerweile soweit fortgeschritten, das auch das Dach in Massivholzbauweise realisiert werden könnte. Der Erfinder des Brettstapel-Bauelements, Prof. Julius Natterer, betrachtet die verstärkte Nutzung des Baustoffes Holz als einen Beitrag zur Bewirtschaftung der Wälder, der damit zu ihrem Erhalt und ihrer Pflege im Sinne einer optimalen Kohlendioxid- Umsetzung führt. Somit ist über die Auswahl des Baustoffes ein Beitrag zum Klimaschutz möglich.


 

Liapor-Mauersteine

Die Außenmauern wurden in Massivbauweise erstellt. Liaporsteine werden aus zementgebundenem Blähton hergestellt und weisen eine Wärmeleitfähigkeit von Lambda = 0,13 W/mK auf. Damit erreicht eine Liapormauer mit d = 36,5 cm den gleichen k-Wert wie eine Wand aus Kalksandstein mit d = 24 cm und einer Dämmschicht (WLG 040) mit d = 10 cm: Mit Innen- und Außenputz jeweilsk = 0,33 W/m²K. Die Vorteile des Bauens mit Liaporsteinen liegen im reduzierten Arbeitsaufwand, da separate Dämmschichten wegfallen können und damit auch keiner Erneuerung nach der für Wärmedämmverbundsysteme üblichen Nutzungszeit von 25 Jahren bedürfen.



Lehmputz

Lehm gehört zu den weltweit am meisten verwendeten und am längsten erprobten Baustoffen. Jahrhunderte alte Häuser, in denen Lehm häufig im Verbund mit pflanzlichen Bestandteilen wie Holz, Stroh, Schilf und Jute verwendet wurde, zeugen von seiner Dauerhaftigkeit als Baustoff. Lehm besteht aus Ton als Bindemittel und Sand bzw. Schluff als Gerüstsubstanz. Eine der wichtigsten Eigenschaften von Lehm ist seine im luftgetrockneten Zustand verbleibende Gleichgewichtsfeuchte von 3-7 Vol. % innerhalb der Poren. In Abhängigkeit von der relativen Luftfeuchte nimmt der Lehm Feuchtigkeit in seinem Kapillarsystemverhältnismäßig schnell auf oder gibt sie wieder ab. Resultat ist eine relativ gleichbleibende Raumluftfeuchte von gesunden 45-55 %. Dies belegen fünfjährige Messungen in einem Wohnhaus aus Lehmsteinen in Kassel. 

Die raumluftreinigende Wirkung von Lehm beruht auf subjektiver Wahrnehmung und ist bisher wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen. Die Aufnahme in Wasserdampf gelöster Substanzen, im Rahmen technischer Verfahren, ist dagegen belegbar. Die Innenwände des Ökohauses schließen mit zweilagigem Lehmputz ab. Einer 10-15 mm Unterputzschicht folgt ein 5 mm glatter Oberputz, der dann direkt überstrichen werden kann. Die Versiegelung solcher Wände z.B. mit Vinyltapete verhindert allerdings die Wirkung sämtlicher positiver Lehmeigenschaften; hiervon wird den zukünftigen Bewohnern des Ökohauses in einer eigens von der GSW herausgegebenen Mieterfibel dringend abgeraten.

 


Wandflächenheizung

Die im 'Ökohaus' eingesetzte Wandflächenheizung befindet sich vorwiegend in den Außenwänden der Wohnräume und besteht aus handelsüblichen Kupferrohren, die in ca. 50 mm tiefen Verlegeschlitzen in Fußbodennähe und neben den Fensteröffnungen liegen (Abb. 5.2). Um Spannungsrisse im Mauerwerk auch in Zukunft ausschließen zu können, wird ein derartiges Heizsystem sofort nach Verfüllung der Verlegeschlitze in Betrieb genommen, damit sich Dehnungsfugen ausbilden können. Infolge der konstanten Temperierung des Außenmauerwerks durch die warmen Rohrschlangen der Wandflächenheizung sinkt dessen Feuchtigkeitsgehalt und damit auch die Wärmeleitfähigkeit der Außenmauern. Die Folge einer Wandflächenheizung, installiert in den Außenmauern eines beheizten Gebäudes, sind daher nicht etwa höhere, sondern sogar niedrigere Transmissionswärmeverluste. 

Im Vergleich zu den sonst im Wohnungsbau allgemein üblichen stationären Plattenheizkörpern bzw.Radiatoren oder der inzwischen auch schon häufiger eingesetzten Fußbodenheizung bietet die Wandflächenheizung darüberhinaus weitere entscheidende Vorteile: Die gleichmäßige Erwärmung großer Wandflächen sorgt für einen erhöhten Strahlungsanteil an der Wärmeabgabe. Demgegenüber steht bei Plattenheizkörpern der hohe Konvektionsanteilan der Wärmeabgabe, der für die gesundheitsbelastende Hausstaubverwirbelung durch die zirkulierende Raumluft verantwortlich ist. Auch die Wärmeabgabe von Fußbodenheizungen führt aufgrund der dann resultierenden Raumtemperaturschichtung letztendlich zu erhöhter Hausstaubbelastung, da die ausschließlich im Fußbereich erwärmte Luft innerhalb des Raumes punktuell zur Deckeaufsteigt und den Hausstaubdabei verwirbelt. Mittlerweile wird auch die ausschließlichim Fußbereich wirkende Wärmestrahlung der Fußbodenheizung (wenn die Oberflächentemperatur des Bodens größer als 29 °C ist) gesundheitlich kritisch betrachtet, da eine gewisse Entwärmung der Fußsohlen zur Vermeidung von Fußbeschwerden als durchaus wünschenswert anzusehen ist. 

Der erhöhte Strahlungsanteil der Wandflächenheizung wird vom Bewohner meist als sehr angenehm empfunden und macht ohne Komfortverluste häufig sogar die Absenkung der Raumlufttemperaturen um 1-2 °C möglich. Dies wiederum führt zu geringeren Lüftungswärmeverlusten des Gebäudes und damit zur Energieeinsparung.
 


Nahwärme-Versorgung

Die GSW-Siedlung in der Heinrich-Böll-Straße wird aus einem Nahwärmenetz mit Heizwärme versorgt. Dazu werden in der Heizzentrale, einem Kellerraum auf dem Grundstück des 2. Bauabschnittes, nach Fertigstellung der gesamten Siedlung zwei Gasbrennwertkessel und ein Blockheizkraftwerk (BHKW) untergebracht. Die fertiggestellten Wohnhäuser des 1. und 2. Bauabschnittes werden mit einem Brennwertkessel (1.400 kW) versorgt. Die Wärmeverteilung erfolgt durch Übergabestationen mit Plattenwärmetauschern, die den Wärmeerzeuger- Primärkreislauf hydraulisch von den Heizwärmekreisläufen in den Wohnhäusern trennen. Betreiber der Anlage einschließlich der Übergabestationen ist die Nahwärme Berlin GmbH (EKT und Gasag).
Die geplante Einbindung eines BHKW in die Energieerzeugung soll erst bei Fertigstellung des gesamten Bauvorhabens erfolgen. Der dann maximale Wärmegrundlastanteil für die ganzjährig notwendige Warmwasser-Bereitung kann ausschließlich mit dem BHKW gedeckt werden und erlaubt hohe Laufzeiten. Für einen wirtschaftlichen Betrieb eines BHKW sind hohe Laufzeiten wichtig, denn im Betrieb werden pro 2 kWh erzeugter Wärme ca. 1 kWh höherwertige elektrische Energie erzeugt, die direkt an die Endverbraucher in der Siedlungverkauft werden kann. Der aufgrund bisheriger Überlegungen vorgesehene Strompreis sollen unter dem der Berliner Bewag liegen.

 

Photovoltaik-Dachgenerator 

Derzeit größte Solarstromanlage Berlins mit einer Leistung von145 kWp 

Auf drei Dächern der Wohnanlage (Haus B19, B23 und B27) mit zusammen ca. 1.200 qm wurden flächendeckend Photovoltaik-Module mit insgesamt 145 kWp elektrischer Spitzenleistung montiert. Die Errichtung der Anlage (Kosten ca. 1,8 Mio.) wird im Rahmen des Förderprogramms Energie 2000 der Bewag unterstützt. Die erzeugte elektrische Energie wird in das öffentliche Versorgungsnetz eingespeist und über einen Zeitraum von 15 Jahren mit ca. 70 Pf/kWh vergütet. Als kleines Bonbon und umweltpädagogisch gedacht ist die photovoltaisch betriebene Pumpe, die den Regenwasserlauf antreibt.

Nach der energetischen Amortisationszeit von ca. sieben Jahren, nach der die zur Herstellung aufgewandte Energie durch die Produzierte kompensiert worden ist, erspart der Photovoltaik-Dachgenerator der Erdatmosphäre jährlich 
ca. 83 to CO2. Die zu Beginn der Planungen angedachten großen Kollektorfelder die Wärme für ein sog. Solare Nahwärmesystem produzieren und über einen großen Speicher saisonal speichern sollten, erwies sich als nicht realisierbar, da die Wärmeproduktion der Kollektoren mit der des BHKW´s konkurriert und im Sommer ein hoher Wärmeüberschuss entstanden wäre. Anstelle der Sonnenkollektoren entschied sich die GSW für die Installation der derzeit größten dachintegrierten Solarstromanlage auf Wohngebäuden in Deutschland.

Eine ausführliche Beschreibung der Solarstromanlage finden Sie  hier .


 


Elektroinstallation

Als Elektroinstallation im Ökohaus kamen halogenfreie Mantelleitungen zum Einsatz. Aufgrund der Verdrillung der stromführenden Leitungen neutralisieren sich die auftretenden Magnetfelder gegenseitig, so dass die gesundheitlich belastenden, resultierenden Magnetfelder minimiert werden. Weiterer Vorteil: Im Brandfall entstehen durch halogenfreie Isoliermaterialien keine Halogenwasserstoffverbindungen wohingegen PVC-Isolierungen hochtoxisches Chlorwasserstoffgas bilden, das zudem mit Löschwasser zu Salzsäure reagiert und den entstandenen Brandschaden noch vergrößert. Auch im Hinblick auf ihre Entsorgung sind halogenfreie Kabel die bessere Lösung, denn ein werkstoffliches Recycling ist im Shredding-Verfahren leicht möglich.
Zur Verminderung gesundheitlich bedenklicher elektrischer und magnetischer Felder im Wohnungsbereich wurden in den Schlaf- und Kinderzimmern Netzfreischaltautomaten installiert. Mit einer Wechselkleinspannung wird der Status der elektrischen Geräte kontrolliert und gegebenenfalls der Stromkreis mittels Relais innerhalb der Ruhezonen unterbrochen.
 



Wasserinstallation

Die Installation der Trinkwasserleitungen im 'Ökohaus' wurde mit Kupferrohr und Pressfittings als Verbindungstechnik durchgeführt, um die mit der sonst üblichen weichen Lötung verbundenen Nachteile wie Schwächung der Rohre an den Lötungen, Belastung des Rohrsystems durch Lotreste und Belastung des Trinkwassers durch die im Lot enthaltenen Schwermetalle auszuschließen. Um selbst feine Schmutzpartikel, z.B. Rost, Kalk, Installationsreste und allgemeine Verunreinigungen aus dem Versorgungsnetz zurückzuhalten, wurden rückspülbare Trinkwasserfeinfilter zentral vorgeschaltet.
Wassersparen
Zur Einsparung von Trinkwasser sind die Bäder im Ökohaus mit 4 Liter-Wasserklosetts (Fa. Gustavsberg) ausgestattet. Bei Benutzung der Spartaste werden sogar lediglich 1,5 l Spülwasser verbraucht. Standard im Neubau sind heutzutage WC mit 6 bzw. 3 Liter Spülwassermenge. Nur in einem der Abwasser-Fallrohre ist ein zum WC-System Gustavsberg zugehöriger Sammelheber installiert, der die Abwassermenge in der Hausanschlussleitung beim Spülvorgang erhöhen soll. In den anderen Fällen musste wegen Einhaltung vorgeschriebener Abwasserrohr-Gefälle auf den Sammelheber verzichtet werden. Die Notwendigkeit der 'raumfressenden' Sammelheber beider Installation von Wassersparklosetts wird sich hier im Laufe der Gebäudenutzung erweisen. 
Ergänzt wird die Wasserspartechnik mit 85 Liter Körperform-Badewannen in den Bädern, Standard sind hier normalerweise 150 Liter sowie durch durchflussbegrenzende Wasserspar-Perlatoren in den Waschtisch-Mischbatterien die bei voller Öffnung 6 statt 15 Liter Wasser pro Minute fließen lassen. 

 


Zusammenfassung 

Die Heinrich-Böll-Siedlung ist ein weiteres Beispiel (s. auch www.oekosiedlungen.de) für kostengünstigen ökologischen Siedlungsbau. Bemerkenswert wie u.a. mit den Komponenten Brettstapeldecke, Wandheizung, Lehmputze und Naturfarben im sozialen Mietwohnungsbau hohe ökologische Standards umgesetzt und gesundes Bauen nicht nur sog. Besserverdienenden vorbehalten bleibt. Besonders die hohen Freiraumqualitäten sind überzeugend, die man im sonst üblichen Mietwohnungsbau nur selten antrifft. Erstaunlich ist das Ergebnis der Studie, das die Gesamtkosten des Ökohauses auf den Lebenszyklus bezogen mit 370 €/m² Wohnfläche deutlich günstiger abschneidet als das Berliner Referenzhaus. Für die 45.000 m² Wohnfläche der gesamten Siedlung wären dies stolze 16,6 Millionen € in 80 Jahren. Pro Jahr könnte die GSW dadurch rund 210.000 € sparen. Für eine 4-Zimmerwohnung bedeutet dies eine jährliche Entlastung von rund 400 € oder von insgesamt 31.000 € in 80 Jahren. Das die Baukosten im Vergleich zu Berliner Standards mithalten können zeigt eine gewisse Marktgängigkeit ökologischer Bautechnologien, die Vorraussetzung für eine weitergehende Verbreitung des Nachhaltigen Bauens ist. Die Kosten also sprechen nicht mehr gegen das ökologische Bauen, sondern dafür! Das ist neu. 
Das dies nicht auf Kosten der BewohnerInnen geht wird jedem schnell klar,wenn man in der Siedlung spazieren geht, oder eine der Wohnungen besichtigen kann.

 
Fazit 
Das Konzept des Ökohauses ist überzeugend. Es stellt sich nüchtern die Frage warum nicht die ganze Siedlung in ökologischer Bauweise realisiert wurde? Es hätte der GSW auf Dauer nicht nur weniger gekostet, auch die BewohnerInnen der Siedlung hätten einen höheren Wohnkomfort erhalten.

 
 
Literatur
(1) Vorlesungsskript "Ökonomie und Ökologie des Wohnungsbaus" Joachim Eble, WS 1999, Universität Karlsruhe
(2) Dokumentation Heinrich-Böll-Siedlung der GSW
(3) www.gsw.de
Bilder und Grafiken
Seite 2; 4; 6 unten; 7; 9; 12: VL-Skript siehe "Literatur (1)"

Seite 9: Büro Joachim Eble Architektur

Seite 3; 6 (oben); 8; 12 (unten): Holger Wolpensinger, Bonn  

 
 
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Zum Referatbeginn              www.oekosiedlungen.de



Referate-download im pdf-Format (1,2 MB)

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